Konzept
Wesentliches Ziel meiner Arbeit an den Bildern ist es, die ästhetische Kraft der kollektiven Collagen in diesen Bildern zu bewahren. Die digitale Transformation zielt nicht ab auf Verfremdung, sondern auf die Sichtbarmachung und Verdichtung der in den Entstehungskontexten der Collagen angelegten Dramatik.
Die digitale Bearbeitung
Die für die kollektiven Collagen charakteristische fortwährende, sedimentartige Überlagerung der Einzelspuren wird durch eine gezielte Verstärkung der Mikrokontraste – unter anderem durch lokales Tonemapping – herausgearbeitet. So treten Konturen deutlicher hervor und vermitteln den Eindruck von chronologisch bedingter Tiefenstaffelung und ebenso von Räumlichkeit.
Auch die gezielte Ausleuchtung greift in diese Schichtung ein: Sie unterstützt ebenfalls den Eindruck von Räumlichkeit, bündelt und lenkt den Blick und intensiviert so die im Bild angelegte Spannung.
Die farbliche Gestaltung folgt keinem dekorativen Ansatz, sondern der inneren Dynamik des Sujets. Es wird nichts in die Bilder 'hineingemalt', weder werden Farben hinzugefügt, noch Filter eingesetzt. Stattdessen bewirkt ein iterativer, kleinteiliger, mehrstufig verschachtelter Prozess Verschiebungen im Farbraum, die – ähnlich einer tonalen Transposition in der Musik – alle im Bild vorhandenen Farben zugleich berühren. Parameter wie Leuchtdichte, Schwarzwert und Sättigung sind integraler Bestandteil dieses Vorgangs. So kommen auch latent in den Rohaufnahmen angelegte Farben zum Vorschein und münden in ein stets harmonisches Verhältnis aller im Bild sichtbaren Farben.
Einen anderen Ansatz verfolgen die schwarz/weiß-Bilder, die nur die texturalen und anderen grafischen Strukturen der Motive aufnehmen und so die Bildwirkung durch den Verzicht auf farbliche Aspekte zunächst dämpfen, gleichzeitig aber eine 'grafische Haptik' erzeugen, die die chronologische Überlagerung der Einzelspuren auf eigene Weise hervorhebt. –
Abstraktion und Bildwirkung
Die vorgefundenen Bildmotive der kollektiven Collagen werden durch die digitale Transformation aus ihrem Zusammenhang gelöst und auf diese Weise in den Bildern abstrahiert, während gleichzeitig die elementare Bedeutung ihres Ursprungs als Tatsache unvermindert fortbesteht. – Je weiter sich nun die Abstraktion vom Ursprung der Bilder löst, desto größer wird die im Bild entstehende Spannung. Und so dient die Abstraktion vor allem dazu, die Eigentümlichkeit dieses Ursprungs in seiner ganzen Dramatik, Vitalität und Wucht abzubilden. –
Die Präsentation
Wo sie nicht Zwecken der Illustration und Erläuterung dienen, stehen die Bilder hier auf dieser Webseite von den Worten getrennt. Diese Trennung folgt dem Bedürfnis, die Wirkung der Bilder nicht durch Sprache zu überlagern. Die Betrachtung dieser Bilder verlangt besondere Aufmerksamkeit: Wie bei einem Vexierbild oszilliert der Blick zwischen zwei Ebenen: der unmittelbaren Wirkung der Bilder selbst und den realen Hintergründen dieser Bilder, die ihren Ursprung in den kollektiven Collagen aus Aufklebern, fragmentarischen Graffiti und Abrissspuren haben. – Dementsprechend stehen in der Galerie Bilder verschiedener Projektstadien bewusst ungeordnet nebeneinander: frei von sprachlicher Überlagerung und auch von systematischer Ordnung, die für die beabsichtigte Wirkung der Bilder nicht essentiell sind und den entscheidenden Wahrnehmungsprozess bei der Bildbetrachtung stören könnten. –
Meine Rolle
Es stellt sich schließlich die Frage, woraus die Faszination dieser Bilder entsteht: Aus der digitalen Transformation oder aus den kollektiven Collagen, die ihnen als Motiv zugrunde liegen? Damit verbunden ist auch die Frage nach meiner eigenen Rolle: als Fotograf, Transformator und Moderator dieser Collagen. – Ausgangspunkt ist dabei das klassische Prinzip des Objet trouvé; des gefundenen Gegenstands, der durch Auswahl und Kontextverschiebung zu Kunst wird.