Palimpseste

Oberflächlich und aus der Ferne betrachtet sind die kollektiven Collagen aus Aufklebern, fragmentarischen Graffiti und Abrissspuren kaum mehr als ein Konflikt mit Gesetz, Stadtbild und öffentlicher Ordnung. 

Hier, in diesem genauer hinschauenden Projekt, geht es aber um ihre Bedeutung als Phänomen künstlerischer und soziokultureller Ästhetik. Hier sind die kollektiven Collagen nicht nur Konflikt durch ihre bloße Existenz, sondern – wegen der zahllos auftauchenden Bezugnahmen auf Tagespolitik und aktuelle Debatten – zugleich Bühne und Projektionsfläche prominenter gesellschaftlicher Themen und Diskurse. 

Die folgenden Abbildungen zeigen beispielhaft, wie sich Themen wie die Corona Pandemie, der Klimaschutz, der Krieg Israels gegen Palästina, Antirassismus oder die Legalisierung von Cannabis in diese urbanen Bildflächen einschreiben: 

 

 

In ihrer beständigen Veränderung erscheinen die kollektiven Collagen wie moderne Palimpseste – und erinnern damit an die antiken Pergamente, auf denen ältere Schriften abgeschabt, überschrieben, aber nie ganz getilgt wurden: 

 

 

Das immer wieder neu Hinzukommende überschreibt das Vorhandene, ohne es vollständig auszulöschen. Vergangene und gegenwärtige Stimmen, individuelle Äußerungen und gesellschaftliche Diskurse überlagern sich und bleiben in Fragmenten erhalten. So werden die sedimentierenden Schichten der kollektiven Collagen zu Archiven von Zeit und Kultur. 

 

 

Die digitale Bearbeitung hebt das Scriptio inferior –  die tieferen, überschriebenen Schichten – wieder hervor; nicht immer sichtbar, aber doch in ihrer Anwesenheit spürbar.
 

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