Über mich

Impuls und Ausgangspunkt dieses Projekts war das Entdecken der kollektiven Collagen als fotografisches Sujet. Dies hatte für mich große Bedeutung, weil hier meine Vorstellung, mit der Kamera eher malen als abbilden zu wollen, eine konkrete Form fand. Zusammen mit der digitalen Bildbearbeitung entstand daraus im Laufe der Zeit ein passendes Mittel, um meine Ideen zu diesem Sujet umzusetzen und weiterzuentwickeln.

Mit der Arbeit an den nun zahlreich entstehenden Bildern stellte sich zunehmend die Frage nach den Ursachen und Ursprüngen der kollektiven Collagen. Während Streetart und Graffiti auch kunstwissenschaftlich bereits ausgiebig analysiert, gedeutet und bewertet sind, fanden sich für mein Sujet kaum tragfähige Bezugnahmen oder auch nur eine eindeutige Bezeichnung.

So wurde die Recherche zu den Hintergründen der „kollektiven Collagen“, wie ich sie hilfsweise nannte, allmählich zum wichtigsten Teil meiner Arbeit. Erst in diesem Stadium entstand die Idee zu einem eigenständigen Projekt.

Wer hier – aufgrund meiner Rolle als Fotograf, Transformator und Moderator dieser Collagen – eine Vita mit akademischer Kunstausbildung und den klassischen Stationen einer Künstlerkarriere erwartet, wird enttäuscht: Meine einzige kunstfachliche „Ausbildung“ besteht aus einem Kurs in japanischer Bambus-Tuschmalerei.

Zwar begleitet mich das Fotografieren lebenslang – nicht als bloßes Festhalten von Wirklichkeit, sondern als Denken und Gestalten in Bildern –, doch in diesem Projekt ging es tatsächlich weniger um das Fotografieren: Die allermeisten Aufnahmen entstanden en passant mit dem Smartphone, kaum als klassische „Kunstproduktion“ erkennbar.

Vielmehr stand das Objet trouvé, das gefundene Kunstobjekt, und der damit verbundene konzeptuelle Vorgang im Vordergrund: das Entdecken, Deuten und Erzählen der Geschichte, die hinter den kollektiven Collagen der anonymen Autor*innen steht. Es ging mir um Klärung, Definition und Ausdeutung der ästhetischen Qualität eines Sujets, das der Öffentlichkeit vor allem als Belästigung, Vandalismus und  Straftatbestand gegenwärtig ist.

Gefunden habe ich eine bis auf die frühgeschichtliche Wandmalerei zurückgehende Parallelkunst, ein Phänomen, das den Kunstbegriff erschüttert und auf Joseph Beuys’ revolutionäres Konzept der „Sozialen Plastik“ verweist. In ihrer Charakteristik der collagenhaften Überlagerung und Überschreibung lässt sie zugleich beeindruckende Analogien zu etablierter Kunst, künstlerischen Strategien und Verfahren aufscheinen.

Ob hierbei eine eigenständige künstlerische Qualität entsteht, bleibt bewusst offen und ist als Fragestellung fester Bestandteil dieses Projekts. Sie als Betrachtende sind eingeladen, selbst zu entscheiden, was diese Bilder zu sagen haben.

 

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