Kunst im Kopf
Das eigentliche Bilderlebnis liegt nicht im Bild selbst, sondern in der Wahrnehmung bei der Betrachtung des Bildes. – Dies klingt profan, gilt aber für die Bilder der kollektiven Collagen ganz besonders:
Den einzelnen Bildern liegt als realer, unveränderlicher Ursprung das jeweilige Bildmotiv der fotografischen Rohaufnahme – sowie die gesamte Realität! – am Aufnahmeort zugrunde. Diesem Ursprung stelle ich mit dem jeweiligen Bild eine der zahllos möglichen digitalen Transformationen als Abstraktion gegenüber.
Insofern besteht hier das Verhältnis einer Konstanten zu einer Variablen, zwischen denen ein Spannungsfeld liegt, dessen Potenzial umso größer wird, je weiter sich das Bild (die Variable) durch den Grad seiner Abstraktion von seinem Ursprung (der Konstanten) entfernt.
Bei der Betrachtung will die Wahrnehmung diese beiden Ebenen vereinen: die Farben, die grafischen Strukturen, die ausgelösten Assoziationen und die atmosphärische Wirkung des Bildes mit seinem im Raum stehenden realen Ursprung und der damit verbundenen Wirklichkeit. – Diese kognitive Leistung sowie die gleichzeitig zwangsläufige Erfahrung der Grenzen dieser Leistung sind das eigentliche Bilderlebnis.